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Glossar

Beratungs­pflicht nach VVG

Kurz erklärt

Die Beratungspflicht nach § 61 VVG verpflichtet jeden Versicherungsvermittler, den Kunden nach seinen Wünschen und Bedürfnissen zu befragen, ihn zu beraten, die Gründe für jeden erteilten Rat anzugeben und beides zu dokumentieren.1

Ausführlich erklärt: Beratungsprotokoll: was drin stehen muss

Bestandsgold · Zuletzt geprüft am

Was du damit zu tun hast

  • Dokumentiere die Gründe für den Rat, nicht nur das Ergebnis. Ein Vermerk mit dem Tarifnamen ist keine Begründung.
  • Übergib die Beratungsdokumentation nach § 62 Abs. 1 VVG in Textform vor dem Abschluss des Vertrags. Die Statusinformation nach § 60 Abs. 2 VVG muss schon vor der Vertragserklärung deines Kunden bei ihm sein.
  • Nutze den Verzicht nur, wenn der Kunde ihn wirklich will. Er nimmt dir Arbeit ab und zugleich den Beweis.
  • Halte auch fest, wovon du abgeraten hast. Der Streit dreht sich später um die Lücke, nicht um den Abschluss.

Hintergrund

Die Pflicht kam 2008 mit der VVG-Reform ins Gesetz und wurde 2018 mit der Versicherungsvertriebsrichtlinie geschärft. Sie trifft Vertreter wie Makler. Ihr Umfang richtet sich nach § 61 Abs. 1 VVG nach der Schwierigkeit des Produkts, der Person des Kunden und einem angemessenen Verhältnis zwischen Beratungsaufwand und Prämie. Eine Hausratversicherung verlangt deshalb weniger als eine Berufsunfähigkeitsversicherung.

§ 61 VVG betrifft den Vermittler. Den Versicherer selbst trifft eine eigene Beratungspflicht aus § 6 VVG. Für Makler kommt § 60 VVG hinzu: Grundlage des Rats sind hinreichend viele Verträge und Versicherer. Sonst muss der Makler offen auf die eingeschränkte Auswahl hinweisen. Wer Finanzanlagen nach § 34f GewO vermittelt, folgt der Finanzanlagenvermittlungsverordnung und nicht dem VVG.

Der Kunde kann nach § 61 Abs. 2 VVG auf Beratung und Dokumentation verzichten. Das geht nur durch eine gesonderte schriftliche Erklärung mit ausdrücklichem Hinweis auf die Folgen für seinen Schadensersatzanspruch. Wer den Verzicht zur Routine macht, verliert genau das Papier, das ihn später schützt. Nach § 63 VVG haftet der Vermittler auf Schadensersatz, wenn er Pflichten aus § 60 oder § 61 VVG verletzt. Ohne Dokumentation steht dann Aussage gegen Aussage. Die laufende Betreuung nach Vertragsschluss folgt aus deinem Maklervertrag, nicht aus § 61 VVG.

Fundstellen

Die Gesetzestexte stehen beim Bundesministerium der Justiz, die Artikel der Datenschutz-Grundverordnung bei dsgvo-gesetz.de.

  1. Dieser Beitrag ist keine Rechtsberatung. Für deinen Einzelfall frag deinen Anwalt. ↩

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