Die längere Antwort
In der Frage stecken zwei Fragen. „Darf“ zielt auf die Erlaubnis für den Kanal, über den du deinen Kunden erreichst. „Sollte“ zielt auf die Frequenz, die eine Beziehung aushält. Die erste beantwortet das Gesetz, die zweite dein Bestand. Wer nur die zweite bedenkt, baut sich ein Abmahnrisiko. Wer nur die erste beachtet, verliert Kunden, ohne je eine Beschwerde zu bekommen.
Am Kanal wird es konkret. Ein Werbeanruf bei einem Verbraucher braucht dessen vorherige ausdrückliche Einwilligung. Werbung per E-Mail braucht ebenfalls eine Einwilligung. Die enge Bestandskundenausnahme gilt nur für eigene ähnliche Leistungen, und ob eine Empfehlungsbitte darunterfällt, ist offen. WhatsApp braucht eine eigene, dokumentierte Einwilligung. Dass du die Handynummer hast, ersetzt sie nicht. Das Hauptrisiko ist also der Kanal ohne Erlaubnis.
Für die Frequenz gibt es keine Studie und keinen Grenzwert, nur eine Faustregel: zwei- bis dreimal im Jahr, mit mindestens drei bis vier Monaten Abstand, und jedes Mal an einen Anlass gebunden. Der Anlass ist wichtiger als der Abstand. Zweimal im Jahr ohne Grund gefragt wirkt aufdringlicher als dreimal im Jahr, wenn jedes Mal etwas vorausging, das dein Kunde selbst als Erfolg erlebt hat.
Nach einem Nein setzt der Zähler neu an. Frag frühestens nach einigen Monaten wieder und nur mit Anlass. Wer nach vier Wochen erneut anfängt, bekommt einen Kunden, der Termine seltener bestätigt.
Wer Umsatz aus Empfehlungen will, verteilt die Bitten über das Jahr. Rechenbeispiel mit offengelegten Annahmen: 400 Kunden im Bestand, zwei Anfragen pro Kunde und Jahr, das sind 800 Bitten. Verteilt auf rund 220 Arbeitstage sind es dreieinhalb bis vier Bitten am Tag. Kein einziger Kunde wird häufiger gefragt, und trotzdem läuft jeden Tag etwas. Die Zahlen sind ein Modell, kein Erfahrungswert.
- Telefon beim Verbraucher: nur mit vorheriger ausdrücklicher Einwilligung.
- E-Mail: Einwilligung, oder die enge Bestandskundenausnahme samt Widerspruchshinweis bei jeder Verwendung.
- WhatsApp: eigene, dokumentierte Einwilligung. Die Handynummer allein reicht nicht.
- Im laufenden Beratungsgespräch: kein Kanalproblem, hier entscheidet allein der Anstand.
Worauf sich das stützt
§ 7 Abs. 2 Nr. 1 UWG verlangt für Werbeanrufe bei Verbrauchern eine vorherige ausdrückliche Einwilligung; § 7 Abs. 3 UWG lässt E-Mail-Werbung an Bestandskunden nur unter vier Voraussetzungen zu, darunter die Verwendung für eigene ähnliche Waren oder Dienstleistungen und der Hinweis auf das Widerspruchsrecht bei jeder Verwendung. Die Verarbeitung der zugehörigen Daten braucht eine Rechtsgrundlage nach Art. 6 Abs. 1 DSGVO.
Fundstellen
Die Gesetzestexte stehen beim Bundesministerium der Justiz, die Artikel der Datenschutz-Grundverordnung bei dsgvo-gesetz.de.
- Dieser Beitrag ist keine Rechtsberatung. Für deinen Einzelfall frag deinen Anwalt. ↩