Die längere Antwort
Ob Empfehlungsprämien steuerpflichtig sind, entscheidet sich auf zwei Seiten getrennt. Steuerlich ist die Prämie Entgelt für eine Leistung: Dein Kunde tut etwas, du zahlst dafür. Ihn trifft es als Empfänger, dich als Zahler. Beide Seiten werden unterschiedlich behandelt, und beide werden in der Praxis regelmäßig übersehen.
Beim Empfänger können gelegentliche Vermittlungen unter § 22 Nr. 3 EStG fallen, soweit keine andere Einkunftsart einschlägig ist. Nur dann gilt die Freigrenze: Alle Einkünfte dieser Art zusammen müssen im Kalenderjahr unter 256 Euro liegen. Erreichen diese Jahreseinkünfte 256 Euro, entfällt die Befreiung vollständig. Betriebliche oder berufliche Empfehlungen können anders einzuordnen sein. Eine einzelne kleine Prämie ist deshalb nicht automatisch steuerfrei.
Beim Geber sind Entgelt für eine Leistung und Geschenk ohne Gegenleistung steuerlich zu unterscheiden. Für Geschenke kann die Abzugsgrenze nach § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 1 EStG relevant sein. § 37b EStG betrifft nur bestimmte Sachzuwendungen und Geschenke, keine Geldzahlungen. Eine Zuwendung muss insbesondere zusätzlich zur ohnehin vereinbarten Leistung oder Gegenleistung erfolgen. Eine vereinbarte Prämie für die Neukundenwerbung erfüllt das nicht automatisch. Ob eine Pauschalierung zulässig ist, muss vor einer Zusage geprüft werden. Bei wirksamer Steuerübernahme ist der Empfänger zu unterrichten.
Die Umsatzsteuer bleibt außen vor, solange dein Kunde privat empfiehlt. Ist er selbst Unternehmer und empfiehlt aus seinem Betrieb heraus, kann eine steuerbare Leistung vorliegen, und dann gehört eine Rechnung dazu. Das kommt öfter vor als gedacht, etwa beim Steuerberater, beim Handwerker oder beim Kollegen aus einer anderen Sparte.
Für die Praxis reichen drei Gewohnheiten. Sag deinem Kunden vor der Auszahlung, dass die Prämie steuerlich zählt, sonst ist die Freude später weg. Halte je Auszahlung Datum, Wert und Anlass fest und gib einen Beleg heraus. Und trenn die beiden Ebenen sauber: Ob du überhaupt zahlen darfst, entscheidet das Aufsichtsrecht, allen voran § 48b VAG. Das Steuerrecht sagt dir nur, wie du es verbuchst.
- Nur bei § 22 Nr. 3 EStG: Unter 256 Euro gesamte Jahreseinkünfte dieser Art greift die Freigrenze.
- Die Freigrenze betrifft alle Einkünfte nach § 22 Nr. 3 EStG zusammen, auch neben deiner Prämie.
- Sachprämien werden mit dem üblichen Endpreis bewertet. Dein Einkaufspreis zählt dafür nicht.
- § 37b EStG setzt eine geeignete Sachzuwendung voraus. Tippgeberprämien werden nicht automatisch pauschaliert.
- Beleg je Auszahlung mit Datum, Wert und Anlass, dazu eine Jahresübersicht je Empfehler.
Worauf sich das stützt
§ 22 Nr. 3 EStG für die sonstigen Einkünfte und die Freigrenze von 256 Euro, § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 1 EStG für den Betriebsausgabenabzug bei Geschenken und § 37b EStG für die Pauschalsteuer auf Sachzuwendungen. Was in deinem Fall gilt, rechnet dein Steuerberater.
Fundstellen
Die Gesetzestexte stehen beim Bundesministerium der Justiz, die Artikel der Datenschutz-Grundverordnung bei dsgvo-gesetz.de.
- Dieser Beitrag ist keine Rechtsberatung. Für deinen Einzelfall frag deinen Anwalt. ↩