Deine Pflichten gelten auch auf dem Profil
Ein geschäftlich genutztes Profil ist ein digitaler Dienst im Sinne von § 5 DDG. Die Anbieterkennzeichnung muss leicht erkennbar, unmittelbar erreichbar und ständig verfügbar sein. Weil die Netzwerke dafür kein eigenes Feld anbieten, setzt du in den Profiltext einen Link, der ausdrücklich „Impressum“ heißt und direkt auf die Impressumsseite deiner Website führt.
Deine Erlaubnis nach § 34d, § 34f oder § 34i GewO verschwindet nicht, weil du in einem kurzen Video sprichst. Für den Versicherungsvertrieb verlangt § 1a Abs. 3 VVG, dass Informationen einschließlich Werbemitteilungen redlich und eindeutig sind, nicht irreführen und als Werbung erkennbar bleiben. Über § 59 Abs. 1 Satz 2 VVG gilt das auch für dich als Vermittler. Nach § 5a Abs. 4 UWG handelt außerdem unlauter, wer den kommerziellen Zweck eines Beitrags verschweigt.
- Registrierungsnummer aus dem Vermittlerregister nach § 11a GewO im Profil oder auf der verlinkten Impressumsseite.
- Status klar benennen: Makler, Vertreter, Finanzanlagenvermittler. Wer mehrere Erlaubnisse hat, nennt alle.
- Bezahlte Beiträge und Kooperationen als Werbung kennzeichnen, in klarem Deutsch und nicht als Kürzel im Hashtag-Block.
- Keine Renditeversprechen und keine Vergleiche, die du nicht belegen kannst. „Die beste Versicherung“ ohne Quelle ist angreifbar.
- Erfundene Kundenstimmen sind ein Wettbewerbsverstoß, auch wenn sie nur 24 Stunden in einer Story stehen.
Direktnachrichten sind der heikelste Teil
Ein häufiger Fehler ist die Nachricht an Fremde. Du siehst ein Profil, das nach frischem Hauskauf aussieht, und schreibst an. Das ist Werbung ohne vorherige Einwilligung.
§ 7 Abs. 2 Nr. 2 UWG verbietet Werbung unter Verwendung elektronischer Post ohne vorherige ausdrückliche Einwilligung des Empfängers. Ob eine Direktnachricht in einem sozialen Netzwerk darunter fällt, ist nicht abschließend geklärt. Die weite Begriffsbestimmung elektronischer Post in der ePrivacy-Richtlinie spricht dafür. Rechne damit, dass die Regel greift.
Erlaubt bleibt das Gegenteil. Wer dich anschreibt, hat den Kontakt selbst eröffnet, und eine Antwort auf seine Frage ist keine unaufgeforderte Werbung. Deshalb ist ein Beitrag, der Menschen zum Schreiben bringt, mehr wert als jede Liste, die du abarbeitest.
Wenn du Kontaktdaten aus Profilen sammelst und in deine Kundenverwaltung überträgst, brauchst du dafür eine Rechtsgrundlage nach Art. 6 DSGVO. Ein berechtigtes Interesse nach Art. 6 Abs. 1 lit. f DSGVO trägt eine Direktansprache zu Werbezwecken in aller Regel nicht, wenn § 7 UWG sie ohnehin untersagt.
Wenn aus einem Kommentar ein Beratungsgespräch wird, greifen deine normalen Pflichten weiter: Erstinformation nach § 15 VersVermV spätestens beim ersten Geschäftskontakt in Textform, Beratung und Dokumentation nach § 61 VVG. Ein Chatverlauf ersetzt kein Beratungsprotokoll.
Was du tatsächlich posten solltest
Der Inhalt, der trägt, ist der, den du im Beratungsgespräch ohnehin zehnmal im Monat erklärst. Schreib die Frage auf, die dir gestern gestellt wurde, und beantworte sie in einem Absatz.
Drei Sorten Beiträge halten ein Profil am Leben:
- Die wiederkehrende Frage: Was passiert mit meiner Berufsunfähigkeitsversicherung, wenn ich den Beruf wechsle? Antwort, ein Beispiel, die Grenze der Antwort.
- Der Fehler, den du oft siehst: eine teure Vertragskonstruktion, beschrieben ohne jedes Merkmal, an dem ein Kunde erkennbar wäre.
- Das Gesicht: wer du bist, wie du arbeitest, was du nicht machst. Menschen empfehlen Personen, keine Produktlisten.
Den Aufwand gegenrechnen
Was nichts bringt, kostet trotzdem Zeit: geteilte Nachrichtenartikel ohne eigenen Satz, Zitate über Erfolg, Fotos vom Schreibtisch.
Rechenbeispiel mit offenen Annahmen: zwei Beiträge pro Woche, je 40 Minuten inklusive der Antworten in den Kommentaren. Das sind 80 Minuten in der Woche und bei 52 Wochen rund 69 Stunden im Jahr.
Zum Vergleich der eigene Bestand: Fünf Kunden am Tag kosten dich zweieinhalb Minuten, an 220 Arbeitstagen also gut neun Stunden im Jahr. Mit dieser Größenordnung arbeitet Bestandsgold.
Beide Zahlen sind Annahmen und keine Messwerte. Sie zeigen nur das Verhältnis: Sichtbarkeit im Netz kostet ein Vielfaches der Zeit, die ein gepflegter Bestand kostet. Wer beides nicht schafft, fängt beim Bestand an.
Miss danach, wie viele Erstgespräche im Quartal von selbst sagen, dass sie dich vorher schon irgendwo gesehen haben. Die Followerzahl sagt dir das nicht.
Fundstellen
- § 11a GewO
- § 15 VersVermV
- § 1a VVG
- § 3 UWG
- § 34d GewO
- § 34f GewO
- § 34i GewO
- § 5 DDG
- § 59 VVG
- § 5a UWG
- § 61 VVG
- § 7 UWG
- Art. 6 DSGVO
Die Gesetzestexte stehen beim Bundesministerium der Justiz, die Artikel der Datenschutz-Grundverordnung bei dsgvo-gesetz.de.