Zum Inhalt springen

Recht und Einwilligung

Wer haftet bei einer falschen Empfehlung?

Kurz beantwortet

Wer dich nur weiterempfiehlt, schuldet nach § 675 Abs. 2 BGB grundsätzlich keinen Schadensersatz. Du selbst stehst gegenüber einem Empfohlenen ab dem ersten Beratungsgespräch genauso ein wie gegenüber jedem anderen Kunden (§ 63 VVG). Die Haftung folgt der Beratung.1

Bestandsgold · Zuletzt geprüft am

Die längere Antwort

Die Sorge kommt meistens vom Kunden: „Und wenn das für meinen Schwager nichts wird, hänge ich dann mit drin?“ Nein. § 675 Abs. 2 BGB sagt ausdrücklich, dass wer einen Rat oder eine Empfehlung erteilt, nicht zum Ersatz des daraus entstehenden Schadens verpflichtet ist. Vorbehalten bleiben nur Vertrag, unerlaubte Handlung und besondere gesetzliche Regelungen. Dein Kunde schließt keinen Vertrag mit dem Empfohlenen und verspricht kein Ergebnis. Er stellt einen Kontakt her. Das ist keine Beratung.

Eine Grenze gibt es trotzdem, und zwar bei der Erlaubnispflicht. Solange dein Kunde nur sagt, wen er kennt und warum er zufrieden ist, bleibt er Tippgeber und braucht keine Erlaubnis nach § 34d GewO. Fängt er an, Tarife zu vergleichen, Produkte zu erklären oder zum Abschluss zu raten, wird daraus Vermittlung. Deshalb gehört es zum Kern, dass der Empfehlende über dich als Person spricht und das Produkt dir überlässt.

Auf deiner Seite ändert die Empfehlung dagegen gar nichts. Ab dem ersten Beratungsgespräch gilt § 61 Abs. 1 VVG: befragen, beraten, den Rat begründen, dokumentieren. § 62 VVG regelt Form und Zeitpunkt, § 63 VVG die Schadensersatzpflicht, wenn du eine dieser Pflichten verletzt und das zu vertreten hast. Für die Finanzanlagenvermittlung nach § 34f GewO gelten eigene Pflichten aus der FinVermV. Rechtlich ist ein Empfohlener ein Kunde wie jeder andere. Du weißt nur weniger über ihn.

Genau daraus entsteht das größere Risiko. Ein Empfohlener kommt mit Vertrauensvorschuss und oft mit einem Anlass, der drängt: Hauskauf, Nachwuchs, Jobwechsel. Die Versuchung ist, das Gespräch abzukürzen, weil die Stimmung von Anfang an gut ist. Wenn Jahre später etwas schiefgeht, zählt die Akte. Und die Uhr läuft lange: Ansprüche verjähren regelmäßig drei Jahre nach dem Ende des Jahres, in dem der Kunde vom Schaden erfährt (§ 195, § 199 Abs. 1 BGB), spätestens zehn Jahre nach ihrer Entstehung (§ 199 Abs. 3 BGB).

Abgesichert bist du über die Berufshaftpflicht, die für die Erlaubnis nach § 34d wie nach § 34f GewO ohnehin Voraussetzung ist. Prüf einmal im Jahr, ob die Police noch zu den Sparten und Produkten passt, die du heute berätst.

  • Bedarf erfragen und schriftlich festhalten, auch wenn der Anlass schon feststeht.
  • Den Rat begründen: warum dieses Produkt und warum nicht das naheliegende andere.
  • Die Beratungsdokumentation in Textform vor Vertragsschluss übergeben; mündlich nur auf Kundenwunsch oder bei vorläufiger Deckung, dann unverzüglich nachreichen (§ 62 VVG).
  • Notieren, worüber ihr bewusst nicht gesprochen habt und warum. Genau dieser Teil fehlt später oft.

Worauf sich das stützt

§ 675 Abs. 2 BGB (Rat und Empfehlung), §§ 60 bis 63 VVG (Beratungs-, Dokumentations- und Schadensersatzpflichten des Versicherungsvermittlers), § 34d und § 34f GewO (Erlaubnis und Berufshaftpflicht) sowie § 195 und § 199 BGB (Verjährung).

Fundstellen

Die Gesetzestexte stehen beim Bundesministerium der Justiz, die Artikel der Datenschutz-Grundverordnung bei dsgvo-gesetz.de.

  1. Dieser Beitrag ist keine Rechtsberatung. Für deinen Einzelfall frag deinen Anwalt. ↩

Den Link verschickt dein Kunde selbst

Mit Bestandsgold teilt dein Kunde sein Geschenk selbst. Der Empfohlene meldet sich bei dir, wenn er möchte. Keine Anfrage an deine Kunden geht raus, bevor du sie freigegeben hast.

Wir melden uns persönlich bei dir. Alle Kosten siehst du vorab.